Raumfahrt: In Köln entwickelte Sonde landet auf Asteroiden

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Am 3. Oktober 2018 ließ die japanische Raumsonde Hayabusa 2 den federführend vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln entwickelten MASCOT (Mobile Asteroid Surface Scout) fallen – der Lander erforschte mehr als 17 Stunden lang einen der ältesten Himmelskörper des Sonnensystems.

Sein Ziel ist uralt

Der Asteroid Ryugu (»Drachenpalast«) ist ein Asteroid der C-Klasse. Diese Himmelskörper kreisen zum großen Teil im äußeren Sonnensystem und weisen einen hohen Kohlenstoffanteil auf. Sie gehören zu den ältesten Körpern im Sonnensystem. Ryugus Erforschung soll den Wissenschaftlern neue Details über die Evolution unseres Systems liefern.

Er landete im freien Fall

MASCOT besitzt keinen Antrieb. Um 3:57 Uhr CEST wurde er in einer Höhe von 51 Metern über Ryugu von einem Bolzen hinter einer Abstoßplatte aus seiner Ladebucht in der Raumsonde Hayabusa 2 mit etwa vier Zentimetern pro Sekunde nach außen geschoben und schwebte dann ohne Kontrolle der Bodenstation auf sein Ziel zu.

Er drehte sich selbst auf den Bauch

37 Minuten nach dem Start erreichte MASCOT seine erste Ruheposition und begann mit den Messungen. Allerdings war er auf dem Rücken gelandet. Daraufhin aktivierte das DLR-Kontrollzentrum in Köln über ein via Hayabusa 2 gesendetes Kommando den mit einer Schwungmasse aus Wolfram versehenen Schwungarm, der den Lander in seine für die Experimente vorgesehene Position drehte.

Er überraschte die Wissenschaftler

MASCOTs Daten haben die Forscher erstaunt. Ryugu sei »am Boden viel verrückter als erwartet. Alles ist von groben Blöcken und Geröll übersät. Wie kompakt diese Blöcke sind und welche Zusammensetzung sie haben, das wissen wir noch nicht. Vor allem aber: Fast nirgendwo sind größere Ansammlungen feinen Materials zu sehen, und das haben wir gar nicht erwartet. Das müssen wir in den nächsten Wochen noch ganz genau untersuchen, da die kosmische Verwitterung eigentlich feines Material erzeugen müsste«, berichtet Prof. Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung und wissenschaftlicher Leiter der MASCOT-Mission.

Sein Ende kam nach 17 Stunden und 7 Minuten

Nach einem weiteren »Mini-Move« und einem Sprung erreichte die Batterie von MASCOT nach drei Asteroiden-Tagen ihre maximale Laufzeit. Statt der erwarteten 16 Stunden konnten die Experimente 17 Stunden und 7 Minuten lang arbeiten. Um 21.04 Uhr erreichte das letzte Signal von MASCOT die Muttersonde Hayabusa 2. Das Landegebiet, in dem MASCOT nun mit Ryugu alle 474 Tage einmal die Sonne umkreisen wird, wurde von den Wissenschaftlern noch während der Mission nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Lewis Carroll als »Alice‘s Wonderland« getauft.

Dieser Artikel erscheint in Space – Das Weltraummagazin, Ausgabe 1/2019